Nein, das ist nichts für Jungs!

Das ist nichts für Jungs_Die JungsMamas

Mein Sohn ist noch klein – er geht in den Kindergarten. Er ist ein Junge durch und durch – spielt leidenschaftlich gerne Fußball, liebt jede Baustelle, möchte Feuerwehrmann werden, ist ein Malmuffel und kann nicht still sitzen. Und trotzdem: er trägt auch gerne mal ein pinkes T-Shirt. Aktuell möchte er sich die Haare wachsen lassen – weil sie so schön blond geworden sind durch die Sonne! Beim Einkaufen letztens hat er sich sogar Ohrringe in die Ohren gehängt. Die Blicke der Frauen drumherum werde ich wohl nie vergessen! Und vor kurzem hat er mich gebeten, dass ich ihm die Fingernägel lackiere – so wie meine. Mit meinem pinken Nagellack. Und wisst Ihr was? Ich finde es super, dass er solche Dinge ausprobiert! Er übrigens auch. Mal was zu machen, wie die Mama. Neues ausprobieren, austesten, den eigenen Geschmack finden, das ist für mich ein wichtiger Teil der Kindesentwicklung.

„Haha, du hast ja Nagellack an den Fingern – wie ein Mädchen!“

Trotzdem hat er mich gebeten, den Nagellack wieder weg zu machen, als wir aus dem Haus wollten. Aus Angst, seine Freunde würden ihn auslachen! Nagellack haben schließlich nur Mädchen! Sagen die Kinder im Kindergarten! Jetzt kann man sicher darüber diskutieren, ob kleine Kinder überhaupt Nagellack nutzen sollten oder nicht – aber das ist sicher eine andere Diskussion.

Ich für meinen Teil bin auf seine Aussage hin kurz in Schockstarre gefallen! Wie kann es sein, dass dieses stereotypische Denken schon so früh im Kindergarten-Alter anfangen kann? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Am nächsten Tag durfte ich im Kindergarten miterleben,  wie eine Mutter im Kindergarten entsetzt zu ihm sagte „Ist das etwa Nagellack an deinen Fingern?!! Das ist doch nur was für Mädchen!“ Und so war mir klar, dass die Kinder nur das wiedergeben, was wir Eltern ihnen vorleben.

Lasst doch bitte Kinder Kinder sein!

Aber müssen denn kleine Kinder denn auch solche Stereotypen erfüllen? Nicht für sich, sondern für die Eltern? Jungs müssen blaue und grüne Shirts tragen und kurze Haare haben, während Mädchen pinke Glitzerkleidchen, Nagellack und lange Zöpfe tragen dürfen? Dürfen Jungs nicht mit Puppen spielen, Einhörner toll finden und nicht das rosa Himbeer-Duschgel verwenden? Müssen bereits kleine Kinder etliche Klischees erfüllen und so aussehen, wie ein Junge eben auszusehen hat? Mit kurzen Haaren, blauem T-Shirt und ohne Tütü?

Junge mit langen Haaren_Die JungsMamas

Ich würde mir wünschen, dass Kinder in punkto Aussehen einfach nur Kinder sein dürfen. Kinder, die Dinge ausprobieren, die sie in ihrem täglichen Leben an anderen sehen. Denn schließlich hilft das auch dabei, dass sie sich am Ende ihre eigene Meinung darüber bilden können und ihren eigenen Stil finden können, um Individuen sein zu können. Kinder haben doch letztendlich das, was uns Erwachsenen oft fehlt: die Neugier, neue Dinge auszuprobieren. Wollen wir ihnen das schon so früh nehmen?

Eine wichtige Aufgabe für uns Eltern

Als mein Sohn seinen Nagellack wieder runter machen wollte, aus Angst, dass die anderen lachen habe ich mich zu ihm hingekniet, und gesagt, dass er vor nichts und niemand Angst haben muss, nur weil ihm etwas gefällt und anderen nicht. Denn am Ende muss ihm der Nagellack gefallen – nicht den anderen! Darüber hat er kurz nachgedacht und dann ist er losgestiefelt – mit Nagellack an den Fingern. Und ich war schon ein kleines bisschen stolz.

Unsere Aufgabe als Eltern ist es, unsere Kinder zu selbstbewussten Kindern zu machen. Zu Kindern, die den Mut haben, entgegen der Norm zu Dingen zu stehen, die ihnen persönlich gefallen und gleichzeitig tolerant gegenüber anderen sind! Und zu lernen, dass richtigen Freunden egal ist, was für Kleidung man anhat, ob die Fingernägel lackiert sind und ob man lange oder kurze Haare hat.

Und wie seht Ihr das?

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Liebe Grüße, Eure

JungsMamas_Signature_Sonja

 

 

 

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10 thoughts on “Nein, das ist nichts für Jungs!

  1. Wir wissen ja nur zu gut, wie sehr man auf sein Umfeld und deren Reaktionen achtet. Ich muss unserem auch oft sagen, dass er keinen Deut darauf geben soll, was anderen denken Hauptsache er fühlt sich wohl. Ich hoffe, dass er es irgendwann dann auch tatsächlich verinnerlichen wird.

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    1. Danke dir Sari für dein Feedback. Der Druck von außen wird sicherlich mit zunehmendem Alter auch zunehmen – leider. Hoffen wir, dass wir unseren Jungs genug Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben….! Lg Sonja

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  2. Toller Text!

    Ich bin Mama einer gerade mal drei Wochen alten Tochter und hatte diese Diskussionen schon in der Schwangerschaft.
    Unsere kleine Motte trägt – solange ich für ihre Klamotten verantwortlich bin – nämlich weder rosa noch pink (sollte sie das irgendwann von sich aus wollen, darf sie natürlich).
    Ich weigere mich dagegen sie schon in dem “Alter“ in eine Schublade zu stecken und in ihrer Entfaltung einzuschränken.
    Sie soll einfach machen können was sie möchte – ohne dieses “Jungs-Ding“ / “Mädchen-Ding“ erfüllen zu müssen!

    Es gestaltet sich übrigens als äußerst schwierig Babyklamotten ohne Farb-Outing zu finden :’D

    Liebe Grüße,
    Elena

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    1. Liebe Elena, du hast so Recht – es fängt schon im Baby-Alter an! Wir bekamen glaube ich ausschließlich hellblaue Kleidung geschenkt. Irgendwann konnte ich es nicht mehr sehen und es hat total genervt! Lustigerweise gefällt die Farbe unserem Zwerg jetzt gar nicht mehr! 😉

      Bezüglich der Farbwahl – gelb und orange fand ich als Alternative immer gut 😉

      Liebe Grüße
      Sonja

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  3. Ich würde meinen Sohn auch lassen, allerdings mit ein bisschen Bauchschmerzen. Und ihm vorher erklären, dass dumme Sprüche kommen können. Bin trage ich selber keinen Nagellack da kam das Thema noch nicht auf. Puder wollte er schon mal und durfte es dann auch benutzen. Pinke Kleidung oder Kleider wollte er bisher nie. Ich bin mir sicher, dass wir unsere Kinder selbstbewusst werden lassen, wenn wir sie unterstützen und bestärken!

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    1. Liebe Jana, ich denke, da verfolgst du genau den richtigen Ansatz! Ich denke, es ist völlig normal, wenn Kinder etwas bei ihren Eltern sehen und das dann auch ausprobieren wollen. Danke für deine Meinung! Lg Sonja

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  4. Hallo Sonja, Du sprichst mir vom Herzen. Mein Sohn ist drei, und wir hatten hier die gleiche Situation. Mein Sohn liebt auch Fussball, rumtoben, klettern,…..doch eines Tages wollte er unbedingt auch Nagellack (so wie ich) haben. Waehrend ich meinem Sohn die Naegel lackierte, dachte ich schon an die Gespraeche die ich fuehren werde….ob gesundheitlich bedenklich…..aber NEIN, ich hatte Diskussionen, ob er als Junge Nagellack tragen darf. Ob mit meinen Schwiegereltern, Eltern vom Kindrgarten, an der Supermarktkasse…Ich finde es sehr traurig, dass Kinder nicht einfach Kinder sein duerfen. Warum muss man alles und jeden in eine Schublade pressen? Aber komischerweise findet man es ja nicht sooo schlimm, wenn ein Maedchen ein Cowboy, Peter Pan etc sein moechte, aber wenn eine Junge ein Kleid anprobieren moechte, ist das ganz ganz schrecklich! Wirklich? Was ist denn an spielen und ausprobieren so falsch?

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    1. Liebe Adele, es macht mich total traurig, deine Geschichte zu lesen. Und du hast einen total richtigen Punkt getroffen! Bei Mädels findet es niemand schlimm, wenn sie sich in Jungs-Kostüme schmeissen. Dann ist es das coole Mädel und alles ist gut. Bei Jungs ist die Toleranz da um ein so vieles niedriger! Warum, das verstehe ich leider auch nicht. Aber umso mehr freue ich mich, dass hier so viele meine Meinung teilen. Das gibt Hoffnung….Also, weiterkämpfen für mehr Toleranz! Liebe Grüße, Sonja

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  5. Meine Kinder sind zwei (Junge) und drei Jahre alt (Mädchen) und beide dürfen so sein, wie sie wollen. Meine Tochter hasst meistens Kleidchen, auch wenn ich die natürlich total süß finde. Aber man müsste sie schon hineinzwingen, wenn man ihr mal eins anziehen möchte (außer manche Kleider). Dementsprechend trägt sie auch fast nie Kleider (zwingen will ich sie nicht). Mein Sohn hat auch ein eigenes Kleid, weil er irgendwann eins wollte, als er es bei der großen Schwester gesehen hat. Allerdings trägt er es eher als eine Art „Verkleidung“ zuhause. Danach will er meistens wieder eine Hose für den Kindergarten. Und als meine Tochter ihre erste „Barbiepuppe“ bekommen hat, war für uns auch klar, dass unser Sohn natürlich auch eine eigene bekommt und eben kein Auto oder „Jungsspielzeug“.

    Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn Jungs auch mal Kleider anziehen dürfen oder mit „Mädchenspielsachen“ spielen (und umgekehrt). Und mein Sohn liebt „Glitzer-Pullis“. Das einzige, wogegen ich mich sperren werde, so lange es geht, sind kriegs- und gewaltverherrlichende Spielsachen (vor allem Schusswaffen, getarnt als Kinderspielzeug) und zwar für beide Kinder. Aber das ist ein anderes Thema.

    Es sind leider wirklich oft die Erwachsenen, die da negativ reagieren und Kinder nehmen das dann auf und so entstehen wieder diese stereotypen Denk- und Verhaltensmuster. Aber ich habe auch das Gefühl, dass die Gesellschaft toleranter wird. Was vor einigen Jahren noch undenkbar war, wird inzwischen oft schon akzeptiert. Gerade diese Woche habe ich einen Jungen im Kindergarten meiner Kinder gesehen, der lackierte Fuß- und Fingernägel hatte. Ich fand das total super und er hat mir auch ganz stolz erzählt, dass seine Mama ihm die lackiert hat. Und er machte auch nicht den Eindruck, dass er sich deswegen schämt. Tolle Mutter hat der Kleine!

    Es besteht also noch Hoffnung und ich denke, dass die Akzeptanz und das engstirnige Denken in diesem Punkt sich weiter bessern wird. Die Gesellschaft ist ja auch schon offener geworden in vielen Punkten =^_^=

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    1. Liebes Bloggerbienchen, toll, dass du deine Kinder das anziehen lässt, was sie möchten! Genau so sollte es sein – zumindest so lange es nicht das dünne Trägerkleidchen bei minus 20 Grad ist 😉 Ich denke auch, dass die Kinder nur die Meinung der Eltern wiedergeben. Denn schließlich lernen sie von uns, was richtig und was falsch ist. Wir hatten auch kürzlich im Fußball einen Junge mit Nagellack, bei dem die anderen Jungs abfällig darüber gesprochen haben. Ich bin dann hingegangen und hab vor allen anderen Jungs gesagt, dass ich auch gerne Nagellack trage und dass ich das schön finde. UND dass es auch einige coole erwachsene Fußballer mit Nagellack gibt. Damit war dann Ruhe! 😉 Ich denke, es kommt nur darauf an, was wir Eltern den Kindern vorleben in Bezug auf Toleranz. Liebe Grüße, Sonja

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